Pferde hassen Langeweile und lieben Routine – ein Widerspruch?

Pferdebesitzer haben oft Angst davor, dass ihre Pferde sich langweilen. Deshalb versuchen sie das Training so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Hilft unseren Pferden das oder ist es sogar nachteilig?

Schauen wir uns den Tagesablauf von wilden Pferden an, finden wir bei ihnen jede Menge Routinen. Und wenn wir darüber nachdenken, leben auch wir in einer Welt mit vielen Routinen. Wir stehen morgens auf, gehen ins Bad und putzen uns die Zähne, trinken einen Kaffe und fahren jeden Tag den gleichen Weg zur Arbeit. Am Nachmittag gehts dann zum Pferd.

Doch was ist Routine eigentlich?

Die offizielle Definition von Routine ist: Eine Handlung, die durch mehrfaches Wiederholen zur Gewohnheit wird. Wodurch man eine Tätigkeit sehr sicher, schnell und mühelos auszuführen kann. Das hört sich ja eigentlich gut an. Und sprechen wir davon, dass jemand etwas routiniert ausführt, dann ist das ein großes Lob. Routine kann aber auch bedeuten, dass wir lieber Bekanntes auswählen, als Neues auszuprobieren. So kann es schnell langweilig wirken, wenn wir mit unserem Pferd immer den gleichen Weg von der Weide zum Putzplatz gehen. Doch unserem Pferd gibt dieser routinierte Ablauf Sicherheit.

Und Hand aufs Herz: Auch uns machen Routinen das Leben leichter, oder?

Der Vorteil von Routinen

Das menschliche Gehirn liebt Gewohnheiten. Es versucht neue Handlungen rasch zu automatisieren. Wissenschaftler haben sogar herausgefunden, dass wiederkehrende Abläufe dafür sorgen, dass im Körper „Glückshormone“ ausgeschüttet werden. Und bei Wildpferden sorgen sie auf jeden Fall für ein entspanntes Leben und das Gefühl von Sicherheit.

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Glück hat für Pferde auch viel mit Sicherheit zu tun.

Und wie ist es MIT LAngeweile?

Bei Hauspferden verbinden wir Routine oft mit Langeweile. Wer hat nicht schon gehört, dass wir unseren Pferden Abwechslung bieten müssen, damit sie nicht vor Langeweile "sterben". Wir folgen diesem Rat und denken uns neue Methoden und Übungen aus. Das geht sogar so weit, dass detaillierte Trainingspläne aufgestellt werden. Wir machen heute Bodenarbeit oder Freiheitsdressur, morgen einen Ausritt und übermorgen gymnastizierende Lektionen in der Halle oder ein Gelassenheitstraining.

Was wir vergessen ist, dass das Training nur eine sehr kurze Zeit im Tag unseres Pferdes einnimmt.

Dafür fehlen vielen Hauspferden oftmals die wichtigsten Beschäftigungen, die ein natürliches Leben bietet: soziale Interaktionen in einer intakten Herde und die Suche nach Nahrung. Bleiben wir beim Thema Nahrung, denn hier können wir sehr deutlich die Kombination von Routine und Abwechslung erkennen. Die morgendliche Fressphase gehört zu den wichtigsten Routinen der Wildpferde. Doch während dieses täglich wiederkehrenden Tagesabschnitts sorgt die Suche nach geeigneter Nahrung im vielfältigen Angebot der Pflanzen für Abwechslung. Damit sind die Pferde nicht nur intensiv beschäftigt, sondern können sich ihr ganz eigenes "Frühstücksmenü" zusammenstellen, ohne die Routine der Herde zu stören. Und da sich die Fressphasen mehrfach über den Tag wiederholen, haben wilde Pferde weder auf dem Speiseplan noch über große Teile des Tages Langeweile.

Und wie ist das bei den Sozialkontakten? 

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Trainieren wir Pferde, können wir das am ehesten mit den drei Formen des Spiels unter Pferden vergleichen.

SOZIALE RITUALE

Ich habe den Eindruck, dass vielen von uns als erstes, wenn wir an soziale Kontakte zwischen Mensch und Pferd denken, immer das Training in den Sinn kommt. Deshalb bleiben wir einfach mal beim Training.

Von den üblichen Aktivitäten wilder Pferde kommen einer Trainingssituation am ehesten das Spielen nahe. Betrachten wir die Spiele fällt auf, dass sie sehr unterschiedlich wirken. Tatsächlich variieren die Spiele zwischen den Pferden jedoch nicht von Tag zu Tag, um Abwechslung "ins Spiel" zu bringen, sondern von Spielpartner zu Spielpartner. So können wir bei Wildpferden drei verschiedene Spielarten erkennen.

1. Die Laufspiele der Fohlen

2. Spiele zwischen Jungtieren

3. Spiele mit Beteiligung von erwachsenen Pferden

Alle diese Spielvarianten verfolgen einen anderen Zweck und laufen nach immer identischen Mustern ab. Wobei es wichtig ist zu wissen, dass besonders bei Beginn und Ende immer auf einen gleichen Ablauf geachtet wird.

Wenn wir, um unseren Pferden Abwechslung zu bieten, zwischen den Trainingsarten wechseln, ohne auf den Einhalt der 3 Spielarten zu achten, verwirren wir unsere Pferde nur unnötig. 

Natürlich ist ein Wechsel zwischen Bodenarbeit, Reiten auf dem Platz und Ausritten möglich, wenn wir uns an die einmal gewählte Beziehungsebene der Spielart halten.

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Abwechslungsreiche natürliche Alltagstätigkeiten schützen auch Hauspferde vor Langeweile.

Und täglich grüßt das Murmel-Pferd

Ich habe viele Routinen der Wildpferde für meine eigenen Pferde übernommen. Der wiederkehrende Tagesablauf war bei uns eine der ersten Maßnahmen, gefolgt von einer Fütterung, die der natürlichen Futtersuche ähnlicher wird - mit Dingen wie verschiedene Fressplätze, Zugang zu mindestens 2 unterschiedlichen Weiden, Kräuterbar etc.

Und auch Eike und ich haben unsere eigenen Routinen im täglichen Umgang mit den Pferden entwickelt, um für sie einschätzbarer und konstanter zu werden. Sie belohnen uns dafür täglich mit einer pferdetypischen Aktivität, Ausgeglichenheit und liebevollem Interesse an allen Dingen, die wir mit und um sieh herum tun.

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