Camargue

Das Rhone-Delta. Heimat für Flamingos, Stiere und die Camargue Pferde. In wenigen Gebieten liegen unzugängliche Wildnis und intensive Nutzung durch den Menschen so dicht zusammen, wie hier. Die Region ist nicht nur bekannt durch den industriellen Abbau vom beliebten Fleur de Sel, sondern auch durch den Anbau von rotem Reis. Wir halten derweil Ausschau nach den Pferden und sind gespannt darauf sie kennenzulernen. Wie wild leben sie tatsächlich und welche Rolle spielen sie im Leben der Franzosen?

Die Camargue wird teilweise landwirtschaftlich genutzt. Die Übergänge sind fast fließend. Nur Zäune zeigen die Grenzen.

Zivilisation und Wildnis – starke Kontraste

Mittagssonne im Mai. Wir cruisen gemütlich im Jeep Richtung Mittelmeer und sind froh über die Klimaanlage. Es dauert nicht lange, bis wir die ersten Camargue Pferde entdecken. Kein Wunder, wir sind unterwegs auf der Promenades a Cheval. Bereits nach wenigen Minuten Fahrt auf der langen Zufahrtsstraße von Arles nach Saintes-Maries-de-la-Mer wird ein starker Kontrast deutlich. Zwischen sumpfigen Brachflächen befinden sich trockene Abschnitte mit Camargue Pferden. Ich bin froh über die carportartigen Dächer, die ihnen Schatten spenden.

Wir halten an, um einen genaueren Blick auf die Pferde zu werfen. Schnell wird uns klar, dass die Pferde hier nicht in einem Auslauf stehen, sondern angebunden und gesattelt auf Reiter warten. Touristen können Gruppenausritte durch die Camargue buchen. Klar, dass wir keinen Ausritt buchen. Wir sind ja auf der Suche nach möglichst wilden Camargue Pferden.

Viele Camargue Pferde warten an der Promenade a cheval auf Touristen.

Nach Feierabend leben die Verleihpferde in Gruppen auf Flächen nahe der Höfe.

Bevor es in die Wildnis geht, zieht es uns erstmal an die See. Saintes-Maries-de-la-Mer ist der größte Ort an der Küste. Dort wollen wir die erste Nacht verbringen und uns von der Anreise erholen. Saintes-Maries-de-la-Mer ist ziemlich groß und dennoch sehr malerisch. Kleine verwinkelte Gassen mit vielen Cafés und Geschäften lassen einen schnell vergessen, dass wenige Meter weiter ein riesiger Naturpark liegt. Um ein bisschen Natur zu spüren, schlafen wir am Strand. Bei seichtem Meeresrauschen und angenehmen 20 Grad träumen wir von frei laufenden Herden an der Küste Frankreichs.

Saintes-Maries-de-la-Mer

Das Zeichen der Camargue

Die Camargue zeigt uns ihre Traditionen

Am nächsten Morgen werden wir von lauter Blasmusik geweckt. Nach einem schnellen Bad im Mittelmeer wird uns auf dem Weg zum Strandcafé klar, was hier gleich passiert. Lautsprecheransagen warnen vor in Kürze durchs Dorf laufenden Stieren. Als die Durchsagen sogar auf Deutsch gemacht werden, wird mir ganz mulmig. Bilder aus Pampolona sind sofort in meinem Kopf. Dort laufen Menschen vor den Stieren durchs Dorf und die Tiere rennen panisch umher. Vanessa – meine diesmalige Reisebegleitung – sucht sofort das Weite! Ich mische mich mit Kamera zwischen die Touristen am Straßenrand.

Gardians sind Rinderhirten

Die Gardians halten die alten Traditionen aufrecht.

Am Nachmittag findet dann der „Course camarguaise“, ein unblutiger Stierkampf, statt. Nach dem Kampf sollen die Stiere wieder freigelassen werden. Wir gehen nicht in die Arena, sondern machen uns lieber auf den Weg ins Delta.

Navigieren ist Männersache.

Weit gefehlt. Vanessa muss helfen.

Gefunden. So gefallen uns die Stiere. Frei und entspannt.

Pferde sind keine Steppentiere…

Die Camargue ist kein öffentlicher Nationalpark. Ins Mündungsdelta darf man nur mit besonderer Genehmigung. Diese ist auch für die Gebiete nötig, in denen die halb wild lebenden Camargue Pferde laufen. Diese Bereiche sind nämlich in privater Hand. Züchter haben hier große Areale eingezäunt, in denen sie ihre Pferde laufen lassen. Nur in wenigen Herden sollen auch Hengste leben. Genau diese wollen wir beobachten.

Es wird immer sumpfiger. Flaches Land, hohe Vegetation und wirklich sehr viele Moskitos machen die Suche nicht gerade einfacher und angenehmer. Doch wir haben extrem viel Glück. Kurz nach Sonnenaufgang treffen wir auf eine kleine Herde Camargue Pferde.

Im tiefen Wasser, eingerahmt von meterhohem Schilf entdecken wir einen mächtigen Hengst. Tiefenentspannt ruht er gemeinsam mit zwei Stuten. Als wir näher kommen, bemerken wir noch ein paar braune Pferdeohren. Tatsächlich: Die Stuten haben Fohlen. Diese werden dunkel geboren und schimmeln erst später durch.

Wir nehmen uns Zeit und sind erstaunt über unsere erste Beobachtung. Das wilde Pferde tief im Wasser stehen, um zu fressen habe ich schon sehr häufig beobachtet. Doch diese kleine Herde vor uns ist nicht in einer Fressphase. Sie ruhen im Wasser. Erst eine Stunde später beginnt die erste Stute zu fressen. Zunächst frisst sie am Ruheplatz Schilf. Aus Spaß sage ich: „Wäre schön, wenn ihr noch dichter zu uns kommen würdet.“ Und tatsächlich: die Stute kommt mit ihrem Fohlen wenige Sekunden später direkt auf uns zu. Als sich die andere Stute ihr anschließt, beendet auch der Hengst seine Ruhephase. Die Herde bleibt dicht zusammen und lässt sich von unserer Nähe überhaupt nicht stören. Der so oft benutzte Begriff „Halbwild“ trifft hier absolut zu.

Into the Wild

Eine typvolle Camargue Stute

Der Hengst der Herde.

Zwei Stuten mit ihren Fohlen gehören zu der Gruppe.

Die kleinen Fohlen müssen von Anfang an im Sumpf zurecht kommen.

Immer dicht bei der Mutter.

Neugierig und aufmerksam.

Halbwild und doch so nah.

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About the Author

Marc Lubetzki | Tierfilmer


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