Was ist Normal?

Fohlen werden mit sechs Monaten abgesetzt. Ein Hengst befruchtet mehrere Hundert Stuten. Die ersten Fohlen kommen bereits im Januar – nur damit sie bei der Zuchtshow schon etwas kräftiger als die anderen sind. Stuten und Hengsten leben in getrennten Herden. Alte Pferde kommen in extra Gruppen. Ich könnte diese Aufzählung noch stundenlang weiterführen – leider.

Warum „funktionieren“ Pferde dennoch? Weil sich Pferde extrem gut anpassen können. Trotzdem: Schaffen wir es unseren Hauspferden ein wenig Normalität zu bieten, werden sie glücklicher. Normalität hört sich langweilig an. Wir leben in einer Zeit, in der nur noch die spektakulärsten Bilder und Meldungen wahrgenommen werden. Wirklich? Oder sehnen wir uns genauso wie unsere Pferde nach der natürlichen Balance? Warum haben wir sie verloren? Weil wir (Pferdemenschen) nur noch Pferdefotos von glänzenden Pferden kennen, bei denen noch der letzte Fleck im Fell wegretuschiert wurde? Weil Dressurreiter verkrampft nach jeder kleinen Taktunreinheit suchen? Weil wir die Futterration unserer Pferde grammgenau ausrechnen, obwohl wir uns selbst alles andere als ausgewogen ernähren?

Ich nehme mich da gar nicht raus und weiß auch, dass meine Blogleser eigentlich die falschen Ansprechpartner sind. Aber selbst, wenn wir schon auf einem guten Weg sind, unseren Pferden eine natürliche Haltung zu bieten und einen pferdegerechten Umgang praktizieren, müssen wir uns nicht trotzdem immer wieder fragen: „Was ist normal?“

Eine Herde findet natürlichen Windschutz am Waldrand.

Normal ist

  • das Pferde in einer Herde leben
  • das die Herde aus Stuten und Hengsten besteht
  • das jede Altersstufe in einer Herde vorkommt

ups – die letzten beiden Punkte sind nicht immer richtig. Ja, es ist gar nicht so einfach normal zu sein. Warum? Weil Pferde sehr verschieden sind: Je nach ihrem Charakter leben sie in unterschiedlichen Herdenverbänden, pflegen andere Freundschaften und übernehmen andere Aufgaben innerhalb ihrer Herde. Wilde Pferde regeln das instinktiv. Der Hengst stellt die Herde so zusammen, dass sie eine möglichst homogene Gemeinschaft bildet.

Auch, wenn Pferde von Natur aus robust sind: Sie suchen Schutz vor Sonne und Regen.

Wie können wir, da wir leider diese Instinkte größtenteils verloren haben, ein genauso gutes Gefühl für Pferde entwickeln, wie ein wilder Hengst, der von Geburt an…

  • 24 Stunden am Tag
  • 365 Tage im Jahr
  • bei Wind und Wetter
  • bei Tag und Nacht
  • bei Ruhe und Gefahr

…in einem natürlichen Sozialverband aufgewachsen ist? Wir haben nur eine Option: Wir müssen es lernen – selbst, wenn wir bereits ein gutes Bauchgefühl haben.

Was ist bei dir normal?

Ich freue mich immer wahnsinnig, wenn ich erfahre, was Pferdefreunde alles tun, um ihren Pferden ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Für mich, genauso wie für die anderen Leser kann dein Kommentar ein Anstoß sein, um Haltung und Umgang zu optimieren.
Deshalb sage ich Danke, wenn du deine Erfahrungen mit uns teilst.

Comments 21

  1. Was ist an einem domestizierten Pferd noch natürlich?
    Sie brauchen regelmäßig einen Hufschmied, können kaum ohne Beschlag laufen und werden in viel zu engen Boxen wie im Knast gehalten und wirklich Weide und Sozialkontakte sind gefährlich denn das Pferd könnt sich verletzen. Kleine Weideflächen wo sie sich nicht ausreichend aus dem Weg gehen können.

    Mein Pferd wird im Mai zwei und ist nur gegen Tetanus geimpft, lebt in einer altersgemischten Hengstgruppe mit reichlich Platz zum toben.
    Später kommt er in eine gemischte Herde und ist auch dort 24 Stunden draussen auf einem großen Areal.
    Sollte er krank werden gibt es Notfallboxen.
    Ich finde das wenn man schon ein Pferd hält sollte es sich möglichst wohlfühlen.
    Da er von Anfang an in einer Herde lebte kennt er die Sprache seiner Kollegen und oh Wunder, obwohl Hengste teilweise sehr unsanft miteinander Spielen ist keiner der Jungs verletzt. Naja die Mähne ist etwas angeknabbert dafür ist er ein relativ ausgeglichener Kumpel. 🙂

    1. Das hört sich ja sehr schön an, Iris. 24-Stunden draussen auf großen Weideflächen in gemischter Gruppe, das würde ich mir für mein Pferd auch wünschen. Wo ist das denn, in welchem Bundesland?
      Bei mir hier im RheinMain-Gebiet ist das leider so gut wie unmöglich. Mein Araber-Berber ist jetzt auch 2 und lebt zur Fohlenaufzucht in einer Hengstherde von 5 verschiedenen Pferderassen in ähnlichem Alter. Eine sehr nette Gruppe, die miteinander spielen und gut miteinander auskommen.
      Ich suche schon jetzt für später im Umkreis von 45 min. einen Offenstall mit viel Weidegang und es ist kaum zu glauben, dass vieles von den nur 3 Standbeinen (Weidefläche, Haltung und Futter) nicht gut umgesetzt wird. Es gibt mittlerweile schon einige Offenställe und ganz gute Ideen, aber leider werden dann wieder zuviele Pferde auf zu engem Raum untergebracht, weil das Geld fehlt und dann bleibt es leider eben nur bei einer gute Idee… sehr schade :/

    2. Das hört sich ja sehr schön an, Iris. 24-Stunden draussen auf großen Weideflächen in gemischter Gruppe, das würde ich mir für mein Pferd auch wünschen. Wo ist das denn, in welchem Bundesland?
      Bei mir hier im RheinMain-Gebiet ist das leider so gut wie unmöglich. Mein Araber-Berber ist jetzt auch 2 und lebt zur Fohlenaufzucht in einer Hengstherde von 5 verschiedenen Pferderassen in ähnlichem Alter. Eine sehr nette Gruppe, die miteinander spielen und gut miteinander auskommen.
      Ich suche schon jetzt für später im Umkreis von 45 min. einen Offenstall mit viel Weidegang und es ist kaum zu glauben, dass vieles von den nur 3 Standbeinen (Weidefläche, Haltung und Futter) nicht gut umgesetzt wird. Es gibt mittlerweile schon einige Offenställe und ganz gute Ideen, aber leider werden dann wieder zuviele Pferde auf zu engem Raum untergebracht, weil das Geld fehlt und dann bleibt es leider eben nur bei einer guten Idee… sehr schade :/

    3. Hm, wenn du ihn in eine gemischte Gruppe stellen willst, setzt das voraus, dass er kastriert wird – damit ist allerdings dann alles an Natürlichkeit futsch, was du ihm zu bieten versuchst. Ein Wallach ist von der Natur nicht vorgesehen, hat also auch keinen richtigen Platz in einer Herde, keine Funktion. Je nach Rasse wird nach einer Kastration auch die Haltung auf großen Weiden mit viel Futterangebot unmöglich, da der Stoffwechsel sich nach einer Kastration verlangsamt und leichtfuttrige Pferde dann total verfetten. Ganz vielschichtiges und schwieriges Thema.

  2. Hi Marc ☺
    Was mich freut wen Pferde auf die Koppeln dürfen und Nachts im Stall sind. Pferdesport ist interessant sollte aber nicht vorrangig sein ist einfach stressig. Es ärgert mich das Friesen wegen ihrer Mähne oft als ,, Barbie Puppe “ missbraucht werden
    Lg Ellen

  3. Was ist normal, eine gute Frage???
    Wir beheimaten wie du dich ggf. erinnerst Koniks von der Geltinger Birk: 1 Wallach 6j., 1 Wallach in diesem Jahr 3 jährig (bei uns geboren, aufgewachsen, gelegt mit 6 Monaten- nie von der Mutterstute getrennt), seine Mutter 5j. und eine Stute 1,5 j.
    Alle stehen zusammen auf einem Paddock. Die kleinen werden von den großen angeleitet und erzogen. Jeder Wallach scheint seine Stute zu haben. Der große Wallach erzieht den kleinen recht gut und weißt ihn in seine Schranken. Mal mit etwas mehr, mal auch mit ganz wenig Nachdruck. Der kleine Mann ist noch immer an der Milchbar!!! Die Stute stellt sich jedoch nicht mehr so bereitwillig hin und schiebt ihn schon mal weg. Jedoch darf er noch
    immer „Sahne“ schleckern.
    Gefressen wird von allen 4ren, gemeinsamn zur selben Zeit, aus einem Heunetz. Die besten Stellen aus dem jeweiligen Heunetz werden von jedem so hingedreht, das sogar alle 4 die selbe Stelle bezupfen ohne Gerangel oder Geschiebe, ganz in Ruhe und mit genüßlichem Kauen.
    Es wird unterschiedlich geschlafen, so dass jeder mal Wache halten muss. Waren mein Mann und/oder ich in der nahen Umgebung am Werkeln, so kam es im Sommer vor, dass alle 4 gelegen und gedöst/geruht haben. Die Verantwortung wurde abgegeben. Gehe ich mit ihnen zum Welzplatz legen sich zum Teil alle 4 gleichzeitig, zum Welzen, ab. Es passt ja jemand anderes auf uns auf…
    So meine Beobachtungen.

    1. * Ups, eine Trail der tagsüber offen ist und als Rennstrecke gerne genutzt wird, abgesteckte Weiden mit Management, Sträucher/Baumstämme, Mineralien ist für mich ein Selbstgänger.

  4. Hallo Iris,
    es kommt aber auch sicher ganz darauf an, über welche Pferderasse wir reden.

    Wir halten Islandpferde, die werden traditionell eigentlich eher in Gruppen in Offenstallhaltung gehalten.

    Wir halten vier Jungs bei uns im Offenstall mit großem Paddock und großen Weiden hinterm Haus. Mit dabei ist unser 6-jährige Hengst. Obwohl er auch im Deckeinsatz ist, ist er problemlos in die Wallachgruppe zu integrieren. Er ist sogar froh, wenn er keinen Job hat und einfach nur rumlümmeln kann. So ist es wie eine Junggesellentruppe. Das ist in der Wildnis ja durchaus normal. Gruppenchef ist unser ältester Wallach (26 J.).

    Hengsthaltung heißt halt nicht nur Einzelhaft. Man muß ihnen Platz bieten und Regelmäßigkeit. Wichtig ist eine artgerechte Aufzucht, keine Einzelhaft in Boxen. Und sicher sollte man nicht unbedingt die Stutengruppe direkt daneben stellen.

    1. Hallo Bärbel,

      meiner ist ein Waitaki x Peter Pan x Pilot.
      24 Std. Herdenleben gefallen ihm super und er ist absolut ausgeglichen und händelbar. Naja das kann sich natürlich mit sich ändernder Hormonlage noch ändern jedoch denke ich das Pferde die ein großes Areal mit Artgenossen zur Verfügung haben immer die ausgeglicheneren sein werden.

      Einen wunderbaren Platz um Hengste zu erleben fand ich in Ungarn bei Lajos Kassai der Araberhengste im Offenstall hält. Diese Pferde sind super ausgeglichen und man kann sie problemlos auch als Anfänger reiten.
      Wir waren dort und haben berittenes Bogenschiessen trainiert. Tolle Anlage, tolle Pferde und ein Mensch der sich Gedanken über Pferdehaltung gemacht hat.

  5. Hallo liebe Pferde- und vielleicht auch Menschenfreunde!
    Als ganzheitliche Pferdtherapeutin habe ich nach 15 Jahren intensiver Tätigkeit meine „Pferdeschule Equus Caballus“ geschlossen und meine Arbeit vorerst niedergelegt. Dafür gibt es viele Gründe, doch der Hauptbeweggrund ist, dass ich mir wünsche, wieder präventiv, mit Freude und Leichtigkeit zu arbeiten, anstatt mich 7 Tage die Woche rund um die Uhr mit Therapiegedanken zu „quälen“ – das 365 Tage im Jahr. Wieso dieses Wort „quälen“? Ganz einfach: weil ich es nicht mehr ausgehalten habe, in diese Ställe zu fahren, in denen es vorprogrammiert ist, dass die Natur des Pferdes leidet und die Pferde – von denen wir auf jeder Ebene sooo viel nehmen – ganz sicher früher oder später krank werden oder zur Selbstverletzung neigen. Der Gegenpol, nur 3 -4 Pferden am Tag helfen zu können erschien mir zum Schluss wie Don Quichotte gegen Windmühlen und ließ mich nur eine Zeit lang in meiner Kraft…Dann wurde ich kontinuierlich schwächer und ausgelaugter (obwohl sich hier und da natürlich auch etwas verändert hat).
    Seit dem ich sehr klar und eindeutig Position bezogen habe, was geht – und was ganz sicher NICHT geht – folgen ganz viele meiner Menschenkunden plötzlich und ändern ihr Verhalten gegenüber den Pferden…Sie haben etwas verstanden…Der Gedanke „Warum kommt Tanja nicht mehr zu uns und hilft, das Kind aus dem Brunnen zu holen???“ hat viel mehr ausgelöst, als ich dachte. Sie versuchen nun selber viel mehr zu vermeiden, dass „das Kind überhaupt in den Brunnen“ fällt! (Freude – Glück und Dankbarkeit – auch im Namen der Pferde)! Seitdem betreibe ich konsequent Aufklärung und Prävention – und zwar sehr, sehr ehrlich! Ich fahre zu Menschen, die in ihren Pferden mehr sehen, als ein Sportgerät oder Leistungsträger und helfe bei der fairen, nächstenliebenden und artgerechten Umsetzung von Verhalten, Training, Fütterung und Haltung. Und natürlich bin ich zur Stelle, wenn jemand aus diesem sich bemühenden Kreis Hilfe oder therapeutische Unterstützung braucht!
    Ich selbst halte meine Pferde auf sehr großzügigen Weiden, mit Hecken und Bäumen so naturnah wie möglich in einer kleinen, übersichtlichen gemischten Gruppe, in der jeder seine Aufgabe hat. Die Pferde passen sowohl genetisch als auch persönlich zueinander und niemand wird gemobbt – es gibt genügend Platz und Natur. In Kursen und Erfahrungen gebe ich dieses Wissen weiter – und wer sich interessiert, kann es in meinen Büchern lesen: „Den Pferden zuhören – Der Weg zur Achtsamkeit“ und „Zwischen Himmel und Herde – Von der Natur der Pferdeseele“. Beide Bücher wurden geschrieben, um Mensch und Pferd zu Hause (wieder) einen roten Faden in die Hand zu geben und um FAIRständnis gegenüber einander zu stärken. Nu erreiche ich mehr, als nur 3 – 4 Notfall-Klienten am Tag;-)(Yieha!)
    Und wer dann wirklich in der Tiefe seiner Selbst etwas wandeln möchte, ist herzlich eingeladen zum „Cancuna“ – ein schmanisches Dankes-, Vergebungs- und Verzeihungsritual gegenüber den Pferden mit der Motherdrum der Lakota-Indianer. Auch gegenüber jenen Pferden, die schon gegangen sind. Und JEDE/R soll und darf danach dieses Wissen und Erleben weiterreichen und seine geklärte Einstellung in die Welt tragen – dann können wir alle gemeinsam ganz viel verändern – für die PfERDE dieser Erde!

  6. Wir versuchen einen Spagat zwischen den Interessen. Unsere beiden Pferde sind im ländlichen Raum erfolgreich auf Dressur- und Springturnieren unterwegs und wohnen dennoch im Offenstall mit 24-Std Freigang. Leider nur zu zweit, da wir mehr Pferde nicht halten können. Wir bemühen uns, ihnen sehr viel Mitbestimmung zu ermöglichen und sie danken es durch eine wunderbare Ausgeglichenheit und Leistungsbereitschaft. Es war immer mein Traum, zu zeigen dass sich pferdegerechtes Leben und Pferdesport nicht ausschließen, sondern ergänzen können!
    Pferde sind extrem kompromissbereit und aufgeschlossen – wenn wir es auch sind, wird so viel Unmögliches möglich!

  7. Ich kann Tanja nur Recht geben. Wenn ich als Tierkommunikator unterwegs bin, sehe ich allerlei Elend.

    „Warum buckelt mein Pferd in jeder Reitstunde?“ – Es steht 24 Stunden in der Box!
    oder
    „Einen Wallach der deckt darf man nicht zu Stuten stellen! – Meine Stute war total relaxt, als sie „ihren Hengst“ bei sich hatte!
    und vieles Mehr…

    Da kann ich meist nur den Kopf schütteln, manchmal dreht sich mir auch der Magen um.

    Selbst versuche ich natürlich meinem Pferd alles zu geben, stoße aber leider immer wieder an Grenzen. Perfekt gibts wohl nicht.

    Da mein Wallach auf einem Auge blind ist und dazu noch sehr rang niedrig, bedeutet ein Offenstall mit großer Herde, daher leider auch viel Stress für ihn. Also Nachts Box – Tags große Weide = Klasse. Da fehlt jetzt aber leider die Herde. Sicher gibt es irgendwo einen Stall, der perfekt für ihn wäre, aber komm ich da überhaut hin oder kann ich das bezahlen.

    Ich bewundere jeden, der den Spagat schafft zwischen „alles für´s Pferd“ und dass möglichst in einer erreichbaren Nähe und bezahlbar.

    Aber ich denke jeder, der diesen Blog ließt versucht ja schon sein Bestes.

    1. Hallo Andrea,

      ich greife gezielt nur das Thema „Offenstall und große Herde = Stress für ein rangniedriges Pferd“ auf. Ist das eine konkrete Erfahrung für deinen Wallach, oder handelst du aus Prophylaxegründen so, weil du annimmst, dass in einer großen Herde die „rangniedrigen“ automatisch Stress haben?

      Ich bin der Meinung, dass wenn der Platz und die Aufteilung der Größe der Herde angepasst ist, gar kein Rang-Stress entsteht, weil nicht von Futterplätzen vertrieben wird etc.. So wie es in OS mit größeren Gruppen beobachtet wird bilden sich ja oft kleine Untergruppen, in denen sich dann die Pferde sehr geschützt bewegen.

      Gruß,
      Silke

  8. Wir haben 1 Islandstute, 6 J. und einen Isi/Arabermix Wallach, 7 J. in gemischter Offenstallhaltung. Es gibt bei uns nur Isis, und 2 Isimixe. Sie leben in einem Stall mit mehreren grossen Ebenen (Paddocks), in Waldrandlage. Es gibt einen grosszügigen Stall, mit Stroh eingestreut um trocken zu stehen, oder zu liegen. Sie nutzen ihn gern regelmässig und allein oder zusammen. Es gibt immer gutes Heu in verschiedenen Raufen und Reifen. Viel Platz zum toben und rennen, wenig Matsch, unterschiedliche Befestigungen…
    Unsere jüngste Stute ist 6J., der älteste Wallach etwas über 20 J. Der Rest ist gemischt vom Alter. 5 Wallache und 5 Stuten. Die Herde ist sehr harmonisch und jeder hat seine Freunde und Partner, einer ist der Herdenchef (17 J.) der hat seine „Frau“, dann gibt es welche die sich nicht so für die Stuten interessieren und unseren Frauenversteher, der sich gern um alle kümmert, besonders während der Rosse! 😉 Er wird voll vom Chef akzeptiert und gelassen…. Im Sommer gehen sie für eine gewisse Zeit auf die Weiden, nicht zu lang, weil es ihnen so besser bekommt. Sie sind Alle sehr ausgeglichen und zufrieden so.
    Wir füttern gern Kräuter zum Heu, kein Müsli… Wir wechseln Spatziergänge, Bodenarbeit und Spiele, sowie Ausritte, oder mal ein wenig reiten auf dem „Platz“ ab. Ich reite nur gebisslos, meine Tochter (12 J.) meißtens auch, oft ohne Sattel, oder mit nem Pad…
    Unsere Pferde müssen nicht jeden Tag etwas tun, wir schauen immer wie wir lustig sind ect. Unsere Pferde danken es uns mit bester Gesundheit, und Freude bei der Arbeit. Sie kommen immer freudig zu uns wenn wir kommen und sind immer hoch motiviert. Wirklich schön!!! 🙂

  9. „Normal“ – im Sinne von üblich – ist immer noch, dass Pferde in Boxen gehalten werden. Immer wieder erscheinen Artikel, in denen es heisst, nicht jedes Pferd sei für Gruppenhaltung geeignet – was verdeutlicht, wie wenig Pferdehaltung mit Natur oder Natürlichkeit zu tun haben. Meine beiden Pferde leben im Offenstall in einer alters- und geschlechtergemischten Gruppe. Schon in dieser relativ kleinen Gruppe von insgesamt 12 Pferden lässt sich sehr gut beobachten, wie das soziale Gefüge funktioniert. Jedes Pferd übernimmt eine bestimmte Aufgabe zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie beschützen sich gegenseitig, wechseln sich ab beim Wacheschieben, wenn andere schlafen, fressen an gemeinsamen Futterplätzen, spielen, pflegen sich gegenseitig und streiten auch manchmal. Die älteren Pferde erziehen die jungen. Die jungen Pferde halten die alten fit. Es ist eine Grundstimmung von Respekt vorhanden. Es gibt keine Aussenseiter, jedes hat mindestens ein anderes Bezugspferd, einen Kumpel oder sogar einen dicken Freund. Die ganze Gruppe wirkt sich stabilisierend auf jedes einzelne Pferd aus. Meiner Meinung nach ist diese Grundstruktur die Basis, dass Pferde sich überhaupt „normal“ entwickeln und verhalten können. Dass sie ein gesundes Selbstbewusstsein, Vertrauen und Respekt entwickeln. Dies funktioniert natürlich nur unter der Bedingung, dass Stallbesitzer über das entsprechende Wissen über Pferdeverhalten und soziale Strukturen in Pferdeherden verfügen. In jedem Fall bleibt es ein „Nachahmen“ der Natur und verlangt den Tieren ein hohes Mass an Anpassungsfähigkeit ab.

  10. Also, wenn ich die Natürlichkeit der Haltungsbedingungen meiner Pferde mit der meiner Kinder oder mir oder der älteren Generation vergleiche, kommen die Pferde in vielen Aspekten besser weg. Die Suche nach der optimalen Haltung für Pferde ist manchmal der verzweifelte Wunsch ein wenig Paradies zu schaffen. Ich glaube, ich täte meinem Pferd mehr leid, wenn es meinen Tag kennen würde. Aber ich habe es so gewählt und so sollte doch mein Tun und Lassen sich daran orientieren allen mich umgebenden Lebewesen, mich eingeschlossen, möglichst wenig Schaden zu zufügen, wobei besondere Sorgfalt auf allen von mir abhängigen und unmündigen Geschöpfe angebracht ist. Achtsamkeit und ein fühlendes Herz sind dafür eine weitaus wichtigere Voraussetzung als jede Haltungsform. Keine Norm kann Glück erzwingen.

  11. Seit 17 Jahren lebe ich auf der kanarischen Insel Lanzarote. Eine Vulkaninsel, die für Pferde sehr ungeeignet ist, da es hier nur im Winter über eine kurze Zeitspanne „grün“ wird, das heißt unsere Pferde müssen 365 Tage im Jahr zugefüttert werden.

    Dennoch genießen unsere Pferde hier ein unheimlich schönes Leben, obschon sie zu einem Reitbetrieb gehören. Denn die Ausritte finden jeweils nur Vormittags statt und auch nur 6 Tage die Woche. Die Nachmittage und freien Tage verbringen unsere Lieben frei laufend im Gelände, ohne Zaun, ohne Einschränkung!! Wir haben insgesamt 18 Pferde, 10 Wallache und 8 Stuten. Der Jüngste zur Zeit 10 Jahre, der Älteste 27 Jahre alt.

    Einige von ihnen sogar verwandt, noch von den früheren Hengstzeiten abstammend 😊

    Natürlich bilden sich immer wieder Grüppchen, manche sind enger „befreundet“, aber trotzdem mischt es sich immer wieder und so haben wir eine große Herde. Zwar ohne Leithengst, dafür mit einem Leitwallach.

    Nachts stehen sie dann in kleineren Gruppen in Paddocks und Offenställen. Boxen haben wir abgeschafft und die Pferde haben es uns gedankt. Selbst die nervösen und „problematischen“ haben durch diesen Wechsel ihre innere Ruhe gefunden. Es war faszinierend dies zu sehen.

    Auch Neuankömmlinge werden meist relativ unproblematisch in die Herde aufgenommen, nachdem ihnen kurz und knapp erklärt wurde welchen Rang sie in der Herde einnehmen dürfen. Wir Menschen mischen uns da nicht sein, die Pferde können das problemlos untereinander klären.

    Also, trotz Reitbetrieb, (bei dem wir uns übrigens sehr darum bemühen, dass die Pferde weder überarbeitet werden, noch dass zu viel Gewicht auf ihre Rücken kommt, noch lassen wir Anfänger traben oder galoppieren, da sind wir sehr streng 😉 ) dürfen unsere Pferde sich „naturgetreu“ frei und in der Herde bewegen. Dies sorgt für einen freien Kopf und dafür, dass unsere Pferde gerne mitarbeiten. Ebenfalls kann glaube ich nicht jeder Reitbetrieb Pferde von bis zu 27 Jahren vorzeigen…

    Obschon ich es täglich sehe, es ist immer wieder wunderschön die Pferde in der Freiheit zu beobachten.

  12. Warum immer nur „Toastbrot“? Aus Kostengründen?

    Ich wundere mich schon lange nicht mehr, dass Pferde, trotz aller guten Vorsätze, oft nicht annähernd „artgerecht“ ernährt werden.
    Und trotz ausreichenden Informationsquellen (ja, es gibt Internet in Deutschland) treffe ich immer häufiger auf Pferde, die sich augenscheinlich nicht wohl fühlen. Trotz „Offenstall“, großen Weiden und, und und.

    Wo sind die „alten“ Stallknechte, die noch wußten, was ein Pferd braucht. Nicht aus Büchern, sondern aus Erfahrung und dem angeeigneten Wissen und den jeweiligen, vorhandenen Ressourcen.

    Ich komme z.B. in Ställe mit 5 Pferden und den dementsprechenden Besitzern und sehe (wenn überhaupt; MEISTENS NICHTS) 5 verschiedene Futtersäcke.
    Ich sehe Decken und sonstigen Trödel in Massen aber keine Mineralfutterquelle. Dann oft auch noch 3 verschiedene Heulager und immer mehr Strohcops als Einstreu weil ja jedes Pferd individuell sein soll.

    Und dann höre ich die Geschichten. Gerne genommen wird Rehe, Sommerekzem, ängstliche und nervöse Pferde und ähnliches. Sandkoliken werden diskutiert und Flohsamen! Hiervon benötigte ich ca. 4 Kg? pro Tag um Stroh zu ersetzen!

    Das Pferd ernährte sich ursprünglich von Ästen und Laub. Auf´s Gras hat sie erst der Mensch umgestellt. Und richtige Wildpferde, die zu keinem Menschen Kontakt haben leben meisten in der Steppe und stehen nicht auf saftigen Wiesen. In den USA, wo ich gearbeitet habe, lebten 300 Pferde und 400 Rinder auf ca. 40.000 ha!!!!!. Mit einem Bewuchs, dem der Lüneburger Heide geähnelt hat. Grassteppe, verholztes Buschland, verschiedene Wasserstellen, Mineralleckstellen und und und…..

    Und mit Gras füttern bedeutet nicht ihnen ständg Schnittgras hinzulegen, sondern dass Pferde auf Weiden gehören. Allerdings sollte man auch unterscheiden können zwischen Weide und Weide… Pferde sind Pferde, ob „wildlebend“ oder zuhause im Stall. Und gerade weil diesem meist nicht Rechnung getragen wird entstehen so viele Verhaltensprobleme.

    Wir benötigen nur deshalb eine Raufuttergabe zum Gras weil die meisten keine Pferdeweiden haben sondern energiereiche Rinderweiden. Nicht die Verdauung der Pferde hat sich geändert, sondern das Nahrungsangebot.

    Heu gibt uns (leider) die Möglichkeit, Pferde ((und andere Tiere) unnatürlich zu halten. Und hier explodieren zur Zeit auch noch die Preise für Heu und Stroh.

    Leider haben viele Landwirte von der Milchviehhaltung zur Pensionspferde-haltung umgesattelt, ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass ein Pferd keine Kuh ist und dementsprechend kein Widerkäuer…. Statt Kräuterwiesen anzusäen gibts reichlich Klee und fettes Gras und wenn Pferde den ganzen Winter über nicht auf die Weide kommen, damit diese geschont werden, dann ist es kein Wunder, wenn ihnen im Frühling schier die Mägen platzen von dem Zeug…. Saatgut speziell für Pferde ist wohl auch zu teuer?

    Oder sie stehen heute ganzjährig auf Sand. Schauerlich. Nur aus diesem Grund wünscht man sich manchmal den Wolf oder den Bären zurück, Entschuldigung!

    Also meine Bitte, achtet nicht so sehr auf Schabracken, sondern auf das „leibliche“ Wohl Eurer Pferde.

    https://www.facebook.com/TheNaturalHorseBehavior/

    http://www.artgerecht-pferd.de/mineralfutter-fuers-pferd/

  13. Hallo zusammen, ich kann zu alledem nur sagen, wir leben hier auf dem Hof die Natur der Pferde. Wir haben einen artgerechten Stall, mit 20 großen Boxen und Paddocks, entsprechend Weiden dabei. Zurzeit sind 18 Pferde im Stall und leben alle zusammen im Herdenverband, vom Jährling, bis zur ältesten mit 25 Jahren. Täglicher gemeinsamer Weidegang ist Pflicht für unsere Pferde, auch bei Sturm und Schnee. Regelmäßigkeit, Zuverlässigkeit, Perspektiven aus Sicht eines Pferdes helfen Sie zu einem Ausgeglichen Wesen hier zu sehen. Nur bei soviel persönlichen Einsatz fehlt bei den menschlichen Wesen oft das Verständnis und die Wertschätzung der Arbeit. z.B. tägliches Misten, tägliche Gesundheitskontrollen und, und, und ,
    Meine persönlichen Erfahrungen sind, das oftmals zwar das Wissen da ist um die Natur der Pferde, allerdings das eigene sportliche Interesse immer Vorrang hat. Der eigne persönliche Erfolg steht über allem, damit wird vieles entschuldigt. Die Natur der Pferde tritt sofort in den Hintergrund. Das ist sehr Schade.
    Wir sind froh, hier ein kleines Paradies für Pferde geschaffen zu haben, freuen uns täglich über ihre gemeinsamen Weidegänge und Ihre doch so verschiedenen Verhaltensweisen in der Herde.
    Gerne bin ich persönlich immer wieder bereit neues über das natürliche Verhalten von Pferden zu lernen und auch weiter zu kommunizieren, es ist immer wieder spannend.

    Ich kann nur einladen zu unserer Internetseite: http://www.hof-brentano.de

  14. Ich bin mir auch sicher, dass die meisten Pferde in Herde und Offenstall am artgerechtesten und glücklichsten sind. Allerdings werden in natürlichen Herden oder Rudern verletzte oder gehandicapte Tiere sehr oft ausgegrenzt. Diese schwächen den Verbund, was für alle ungünstig bei Flucht oder Nahrungsmangel ist. Auch sind Pferde, die nicht in einer Herde oder mit einer anständigen sozialen Erziehung groß geworden sind, nicht unbedingt angenehme und kompatible Weidegenossen. Ich kenne einige asoziale Pferde……warscheinlich vom Menschen oder der Haltung so gemacht…….aber die kann man wohl nicht nach dem Motto „nun funktioniere mal sozial“ in eine Herde werfen. Als grundsätzliches Problem heutzutage für eine schöne funktionierende Herde sehe ich den Platz an. Wo finde ich denn noch so große Landstriche, wo ich diesen auch bezahlen könnte? Mein Fazit ist, das es auch am Platzangebot liegt, ob ein Offenstall/Herdenleben dem Pferd gut tut. Ich persönlich habe nur 8000qm zur Verfügung. Daher nur 3 Pferde. Ich muss jeden Monat für ein paar Tage die Stute von „ihrem“ Wallach trennen, da er sie sonst deckt. Dann haben beide Stress und ich die Osteopathen Rechnung für ihren Rücken. Das Pony als rangniedrig kann noch damit leben, öfters herumgescheucht zu werden. Wenn es älter wird, muss ich beobachten ob er vielleicht eine eigene Ruhezone zwischendurch braucht. Wir beobachten unsere Pferde so genau wir könnten um das Beste für UNSERE Pferde zu tun. Verallgemeinerungen wie zB kein Pferd braucht Eisen oder Decke, alle Pferde können dies oder das……..Dies hindert einen oft nur, seine eigenen Beobachtungen zu machen. Und zum Deuten der eigenen Beobachtungen helfen Deine wunderbaren Tierfilme mir sehr. Vielen Dank an dieser Stelle dafür.

  15. Ich bin voll mit dir in deinen Gedankengängen.
    Meine leben im Offenstall, sind allerdings leider nur zu zweit. Aber sie haben fast 2ha Wiese und Wald zur Verfügung und ich baue an einem Trail, den sie dann benutzen können, wenn sie wollen. Heu gibt es 24 Std frei Haus und Spielsachen, wie einen Ball, Baumstämme, Tot-& Frischholz, zusammengeknotete alte Betlaken, mit denen sie gerne Zerrspiele veranstalten.
    Schön, mit dir die Wildpferde zu beobachten, hätte sonst, außer in Videos, keine Gelegenheit dazu.

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